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Tests und Noten in der Grundschule
In der Grundschule gibt es weniger große Prüfungen, als viele Eltern denken. Eine Abschlussprüfung am Ende der 4. Klasse gibt es nicht, und eine landesweite Prüfung zum Einmaleins auch nicht. Das meiste, was die Lehrkraft über die Mathekenntnisse Ihres Kindes weiß, erfährt sie im ganz normalen Unterricht. Dieser Ratgeber erklärt, was in welcher Klasse auf Ihr Kind zukommt, was die Ergebnisse bedeuten und wie Sie helfen können, ohne Druck aufzubauen.
Weil Schule Ländersache ist, unterscheiden sich manche Regeln von Bundesland zu Bundesland, etwa ab wann es Noten gibt. Wir beschreiben, was für die meisten Schulen gilt. Wie es an Ihrer Schule geregelt ist, erfahren Sie von der Lehrkraft oder am Elternabend.
| Klasse | Was | Wann |
|---|---|---|
| Vor der Einschulung | Schuleingangsuntersuchung (Gesundheit und Entwicklung), in vielen Ländern eine Sprachstandsfeststellung. Kein Mathetest. | Meist im Jahr vor der Einschulung |
| 1. Klasse und 2. Klasse | Beobachtung im Unterricht, kurze Lernzielkontrollen, meist ein Berichtszeugnis statt Noten | Das ganze Schuljahr über |
| 3. Klasse | VERA-3, die Vergleichsarbeit in Deutsch und Mathe, ohne Note | Im Frühjahr |
| Meist ab der 3. Klasse | Klassenarbeiten (in Bayern „Proben“) und Noten von 1 bis 6 | Mehrmals im Schuljahr |
| 4. Klasse | Kompass 4, nur in Baden-Württemberg | Im November |
| 4. Klasse | Grundschulempfehlung bzw. Übertrittszeugnis für die weiterführende Schule | Im Laufe des Schuljahres |
Vor der Einschulung: kein Mathetest
Vor dem ersten Schultag steht die Schuleingangsuntersuchung beim Gesundheitsamt. Dabei geht es um Gesundheit und Entwicklung, zum Beispiel ums Sehen und Hören. Ein Mathetest ist das nicht. In vielen Bundesländern wird außerdem, oft schon früher, der Sprachstand festgestellt. Ihr Kind muss vor der Einschulung weder rechnen noch Ziffern schreiben können. Was in der Vorschulzeit wirklich hilft, sind Zählen, Würfelspiele und Gespräche über „mehr“ und „weniger“.
1. und 2. Klasse: beobachten statt benoten
In den ersten beiden Schuljahren gibt es in den meisten Bundesländern keine Noten. Die Lehrkraft beobachtet, wie Ihr Kind rechnet, schaut sich Hefte und Arbeitsblätter an und lässt ab und zu eine kurze Lernzielkontrolle schreiben, mit einer Rückmeldung statt einer Note. Am Schuljahresende bekommt Ihr Kind ein Berichtszeugnis (auch Lernentwicklungsbericht genannt), in dem in Worten steht, was Ihr Kind schon gut kann und woran es noch arbeitet, zum Beispiel an den Zahlzerlegungen oder am Zehnerübergang.
VERA-3 in der 3. Klasse
VERA steht für Vergleichsarbeiten. In allen Bundesländern schreiben die Kinder im Frühjahr der 3. Klasse VERA-3, in Deutsch und in Mathe. Die Aufgaben entwickelt das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) auf Grundlage der Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz, die beschreiben, was Kinder am Ende der 4. Klasse können sollen. Den genauen Termin legt jedes Bundesland selbst fest.
So läuft der Mathe-Teil ab:
- Er dauert etwa 60 Minuten: ein Basismodul von 40 Minuten mit Aufgaben aus allen Bereichen der Mathematik und ein Ergänzungsmodul von 20 Minuten zu einem Bereich, zum Beispiel Zahlen und Operationen oder Raum und Form.
- Die Bereiche sind dieselben wie im Unterricht: Zahlen und Operationen, Größen und Messen (Geld, Längen, Zeit, Gewichte), Raum und Form, Muster und Strukturen sowie Daten und Zufall.
- Gefragt wird nicht nur nach Rechenergebnissen. Kinder sollen auch eine Tabelle oder ein Diagramm lesen, einen Rechenweg begründen oder eine Sachaufgabe lösen.
- Immer mehr Schulen lassen VERA-3 am Computer oder Tablet schreiben.
Die Aufgaben reichen von leicht bis schwer. Dass nicht jedes Kind alles lösen kann, ist eingeplant, zumal die Standards erst für das Ende der 4. Klasse gelten.
Was die Ergebnisse bedeuten
VERA-3 wird nicht benotet, und die Ergebnisse dürfen auch nicht in eine Note umgerechnet werden. Stattdessen ordnet die Auswertung jedes Kind einer von fünf Kompetenzstufen zu. Stufe II entspricht dem Mindeststandard, Stufe III dem Regelstandard, also dem, was die Bildungsstandards von einem durchschnittlichen Kind am Ende der 4. Klasse erwarten. Liegt Ihr Kind in der 3. Klasse noch nicht auf Stufe III, ist das allein kein Grund zur Sorge: Bis zum Ende der 4. Klasse bleibt über ein Jahr Zeit. Liegt es unter dem Mindeststandard, lohnt sich ein Gespräch mit der Lehrkraft.
Die Schule informiert Sie über die Ergebnisse Ihres Kindes, zum Beispiel schriftlich oder im Elterngespräch. Vor allem aber sind die Ergebnisse für die Lehrkräfte gedacht: Sie sehen, wo ihre Klasse steht und welche Themen sie noch einmal aufgreifen sollten. Für die Grundschulempfehlung spielt VERA-3 keine Rolle. Mehr dazu erklärt das IQB auf seiner Seite zu VERA.
Vorbereiten müssen Sie Ihr Kind auf VERA-3 nicht. Gerade weil es keine Note gibt, darf der Tag ganz normal sein.
Klassenarbeiten und Noten
Noten gibt es meist ab der 3. Klasse, je nach Bundesland und Schule. In manchen Ländern beginnen sie schon am Ende der 2. Klasse, an manchen Schulen gibt es auch in der 3. und 4. Klasse weiter Berichtszeugnisse. Benotet wird mit den bekannten Noten von 1 bis 6:
| Note | Bedeutung |
|---|---|
| 1 | sehr gut |
| 2 | gut |
| 3 | befriedigend |
| 4 | ausreichend |
| 5 | mangelhaft |
| 6 | ungenügend |
In Mathe schreibt die Klasse mehrmals im Schuljahr eine Klassenarbeit, in Bayern heißt sie Probe. Sie prüft meist das Thema der letzten Wochen, etwa die schriftliche Addition oder das Rechnen mit Geld. Dazu kommen kürzere Tests. In die Zeugnisnote fließen aber auch die mündliche Mitarbeit und die Arbeit im Unterricht ein. Wie genau, legen Land und Schule fest.
Zeugnisse gibt es meist zweimal im Jahr: das Halbjahreszeugnis Ende Januar oder im Februar und das Jahreszeugnis vor den Sommerferien. In der 5. und 6. Klasse geht es mit Klassenarbeiten und Noten weiter.
Lassen Sie sich eine zurückgegebene Klassenarbeit von Ihrem Kind erklären, statt zuerst auf die Note zu schauen. Fragen Sie: „Welche Aufgabe hat dir Spaß gemacht? Wo bist du hängen geblieben?“ So erfahren Sie mehr als aus jeder Note, und Ihr Kind merkt, dass Fehler zum Lernen gehören.
Die Grundschulempfehlung in der 4. Klasse
Nach der 4. Klasse wechseln die Kinder in den meisten Bundesländern auf eine weiterführende Schule. Vorher gibt die Grundschule eine Grundschulempfehlung: Sie rät, welche Schulart zu Ihrem Kind passt. Wie viel diese Empfehlung zählt, ist sehr unterschiedlich geregelt:
- In manchen Ländern ist sie verbindlich. In Bayern etwa bekommen die Kinder ein Übertrittszeugnis; maßgeblich ist der Notendurchschnitt in Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht.
- In Baden-Württemberg ist die Empfehlung seit dem Schuljahr 2025/26 wieder teilweise verbindlich (siehe Kompass 4 unten).
- In vielen anderen Ländern ist sie eine Beratung: Nach einem Gespräch mit der Lehrkraft entscheiden die Eltern.
- In Berlin und Brandenburg geht die Grundschule bis zur 6. Klasse. Dort steht der Wechsel für die meisten Kinder erst danach an.
Mathe ist für die Empfehlung wichtig, aber nie allein entscheidend. Erkundigen Sie sich früh, am besten schon in der 3. Klasse, wie das Verfahren in Ihrem Bundesland abläuft. Die meisten Schulen bieten dazu einen Infoabend und ein Beratungsgespräch an.
Kompass 4 (nur Baden-Württemberg)
In Baden-Württemberg schreiben alle Kinder der 4. Klasse im November den Test Kompass 4 in Deutsch und Mathematik. Er wurde im November 2024 zum ersten Mal geschrieben. Das Ergebnis wirkt sich nicht auf die Noten aus, ist aber neben der pädagogischen Gesamtwürdigung der Lehrkräfte die zweite Säule der Grundschulempfehlung. Für den Wechsel aufs Gymnasium braucht es seit dem Schuljahr 2025/26 neben dem Wunsch der Eltern entweder eine Empfehlung der Schule für das Gymnasium oder ein Ergebnis in Kompass 4 auf der höchsten von drei Niveaustufen, dem erweiterten Niveau (E-Niveau). Fehlt beides, kann Ihr Kind im Februar an einem Gymnasium einen Potenzialtest schreiben; wer ihn besteht, darf ebenfalls aufs Gymnasium. Die Einzelheiten erklärt das Land Baden-Württemberg.
Und das Einmaleins?
Einen landesweiten Einmaleins-Test gibt es nicht. Trotzdem ist das kleine Einmaleins bis 10 · 10 eines der wichtigsten Ziele der Grundschule: Die Bildungsstandards erwarten, dass Kinder es „gedächtnismäßig“ beherrschen, also 7 · 8 = 56 wissen, ohne nachzurechnen. Die meisten Kinder lernen es in der 2. Klasse und festigen es in der 3. Klasse. Viele Lehrkräfte machen dazu einen Einmaleins-Führerschein, bei dem die Kinder Reihe für Reihe zeigen, was sie können. Das ist keine offizielle Prüfung, und viele Kinder sind mit Eifer dabei. Unser Ratgeber Einmaleins üben zeigt, in welcher Reihenfolge die Reihen drankommen und wie das Üben Spaß macht.
Tests, die nicht Ihr Kind bewerten
Manchmal nimmt eine 4. Klasse an einer Studie wie dem IQB-Bildungstrend oder der internationalen Studie TIMSS teil. Ausgewählt wird nur eine Stichprobe von Schulen, und für das einzelne Kind haben die Ergebnisse keine Folgen.
So unterstützen Sie Ihr Kind ohne Druck
- Bleiben Sie gelassen. Kinder merken genau, wie wichtig Sie einen Test nehmen. Behandeln Sie eine Klassenarbeit als normalen Teil der Schule, tut Ihr Kind das auch.
- Lieber oft und kurz üben, das ganze Jahr über, statt am Abend vor der Klassenarbeit zu pauken. Zahlzerlegungen, das Einmaleins und Kopfrechnen helfen bei fast jeder Aufgabe.
- Loben Sie die Anstrengung, nicht die Note. „Du hast dich richtig reingekniet“ hilft mehr als „Nächstes Mal schaffst du eine 1“.
- Achten Sie auf das Wesentliche. Ausreichend Schlaf, ein Frühstück und freie Zeit zum Spielen bringen mehr als ein weiteres Übungsblatt.
- Nehmen Sie Sorgen ernst. Bauchweh vor der Mathestunde, schlechter Schlaf oder Sätze wie „Ich kann das sowieso nicht“ sind ein Anlass für ein Gespräch, mit Ihrem Kind und mit der Lehrkraft. Unser Ratgeber zur Matheangst hat Ideen dazu.
Kurz beantwortet
Nein. VERA-3 hat keine Note und kein Bestehen oder Nichtbestehen. Das Ergebnis zeigt, auf welcher von fünf Kompetenzstufen Ihr Kind gerade steht, und hilft der Lehrkraft, den Unterricht zu planen.
Das ist nicht nötig. VERA-3 prüft Fähigkeiten, die Ihr Kind im Unterricht nach und nach aufbaut, keinen Stoff zum Auswendiglernen. Wenn Sie zu Hause helfen möchten, bringen ein paar Minuten Kopfrechnen und Einmaleins an den meisten Tagen mehr als zusätzliche Testhefte.
Nein. Die Ergebnisse fließen weder in die Zeugnisnoten noch in die Grundschulempfehlung ein.
Nein, eine landesweite Prüfung gibt es nicht. Viele Lehrkräfte machen aber in der Klasse einen Einmaleins-Führerschein oder kurze Einmaleins-Tests.
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