Lernen › Eltern › Matheangst

Für Eltern

Wenn Ihr Kind sagt: „Ich kann kein Mathe“

Keine Biene kann fliegen, wenn sie aus ihrer Wabenzelle schlüpft, auch ich nicht! Wenn mir etwas schwerfällt, sage ich: „Das kann ich noch nicht.“ Dann probiere ich es noch einmal, und mit jedem Versuch werden meine Flügel ein bisschen kräftiger.

„Ich kann kein Mathe.“ „Ich bin zu dumm dafür.“ „Ich hasse Zahlen.“ Solche Sätze von Ihrem Kind zu hören, tut weh, besonders wenn es Ihnen in der Schule selbst so ging. Die gute Nachricht: Wie ein Kind über Mathe denkt, kann sich ändern, und Eltern und Lehrkräfte können viel dazu beitragen. Dieser Ratgeber erklärt, woran Sie Matheangst erkennen, wie sie sich von einer Rechenschwäche unterscheidet und was Sie zu Hause tun können.

Was ist Matheangst?

Matheangst ist ein Gefühl von Sorge, Anspannung oder sogar Panik, sobald es um Mathe geht. Das ist nicht dasselbe, wie sich mit Mathe schwerzutun. Auch Kinder, die gut rechnen können, haben manchmal Angst davor, und gerade diese Angst steht ihnen dann im Weg. Wer in Panik gerät, dem fallen selbst bekannte Ergebnisse wie 3 · 4 nicht mehr ein, und einen Rechenweg kann man kaum noch in Ruhe durchdenken. Die Aufgabe geht schief, und das scheint zu beweisen, dass man es „eben nicht kann“. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist das Ziel.

Woran Sie Matheangst erkennen

Einen schlechten Tag hat jedes Kind einmal. Erst wenn solche Anzeichen immer wieder auftauchen, lohnt es sich, gezielt etwas zu tun.

Matheangst oder Rechenschwäche?

Manchmal steckt hinter der Angst mehr. Eine Rechenschwäche (auch Dyskalkulie genannt) ist eine anhaltende Schwierigkeit mit dem grundlegenden Verständnis von Zahlen und Mengen, die trotz guter Förderung bestehen bleibt. Kinder mit einer Rechenschwäche lösen zum Beispiel Aufgaben wie 7 + 8 noch lange durch Abzählen an den Fingern, haben kaum eine Vorstellung davon, wie groß eine Zahl ist, oder verwechseln Zehner und Einer immer wieder. Viele von ihnen entwickeln mit der Zeit auch Matheangst, weil sie so oft scheitern.

Der Unterschied ist wichtig: Bei Matheangst beherrscht das Kind den Stoff oft, aber die Angst blockiert es. Bei einer Rechenschwäche fehlt das Fundament, und Mut allein reicht nicht. Ob eine Rechenschwäche vorliegt, kann nur eine gründliche Untersuchung durch Fachleute klären, kein Schnelltest aus dem Internet. Erste Ansprechpartner sind die Lehrkraft Ihres Kindes und der Schulpsychologische Dienst, der Eltern kostenlos berät. Welche Förderung die Schule dann anbieten kann, regelt jedes Bundesland etwas anders.

Die Macht der Worte: „noch nicht“

Viele Kinder glauben, Mathe sei eine Begabung: Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht. Viele Lehrkräfte vermitteln heute bewusst eine andere Haltung: Mit Übung wird jeder besser, und Anstrengung gehört zum Lernen dazu. Sie ist kein Zeichen dafür, dass man etwas nicht kann.

Was Sie zu Hause sagen, kann das unterstützen. Probieren Sie es mit einem kleinen Wort: „noch“.

Weitere Sätze, die helfen:

Und einige Sätze, die Sie lieber vermeiden, auch wenn sie lieb gemeint sind: „Mach dir nichts draus, Mathe ist halt nicht jedermanns Sache.“ „Das ist doch ganz leicht.“ (Wenn es leicht ist und das Kind es trotzdem nicht kann, wie fühlt es sich dann?) Und: „Jetzt mach mal schneller.“

Indies Tipp

Hängen Sie eine Liste „Das kann ich jetzt“ an den Kühlschrank. Jedes Mal, wenn Ihr Kind etwas schafft, das ihm schwergefallen ist, schreiben Sie es mit Datum dazu. Sagt Ihr Kind wieder „Ich kann kein Mathe“, schauen Sie sich die Liste gemeinsam an.

Ihre eigenen Gefühle zu Mathe

Vielen Erwachsenen ist bei Mathe nicht ganz wohl, oft wegen ihrer eigenen Schulzeit. Dafür muss sich niemand schämen. Kinder bekommen aber sehr genau mit, wie Erwachsene über Mathe reden. Hört Ihr Kind „Ich war auch immer schlecht in Mathe“, schließt es daraus vielleicht, dass das in der Familie liegt und Üben sowieso nichts bringt.

Was stattdessen hilft:

Mathe ohne Druck: Spiele und kleine Erfolge

Ängstliche Kinder brauchen viele Gelegenheiten, bei denen sich Mathe nicht nach Prüfung anfühlt: keine Stoppuhr, keine Noten, kein Publikum. Mathe soll sich sicher anfühlen und gern auch Spaß machen.

Auch Rätsel können helfen, solange niemand drängt, dass sie schnell gelöst sein müssen. Erst nicht weiterzukommen und dann plötzlich die Lösung zu sehen, gehört zu den schönsten Gefühlen in der Mathematik.

Noten und Übertritt: wenn der Druck steigt

In der Grundschule gibt es zwei Zeitpunkte, an denen Matheangst häufig zunimmt. Der erste sind die ersten Noten, meist ab Klasse 3, je nach Bundesland und Schule. Plötzlich steht unter der Klassenarbeit (in Bayern heißt sie Probe) eine Zahl, und manche Kinder verstehen diese Zahl als Urteil über sich selbst. Der zweite ist die 4. Klasse mit der Grundschulempfehlung für die weiterführende Schule (in Bayern mit dem Übertrittszeugnis). Wenn zu Hause bei jeder Mathe-Hausaufgabe mitschwingt, dass es „ums Gymnasium geht“, spürt das auch ein neunjähriges Kind.

Was hilft: Sprechen Sie über die Noten, aber machen Sie sie nicht zum wichtigsten Thema. Fragen Sie nach einer Klassenarbeit lieber „Welche Aufgabe ist dir gut gelungen?“ oder „Was willst du nächstes Mal anders machen?“ als zuerst nach der Note. Und VERA-3, die Vergleichsarbeit im Frühjahr der 3. Klasse, wird gar nicht benotet und zählt auch nicht für die Grundschulempfehlung. Das dürfen Sie Ihrem Kind ruhig sagen. Mehr dazu lesen Sie unter Tests und Noten in der Grundschule.

Wann Sie mit der Lehrkraft sprechen sollten

Ein Gespräch mit der Lehrkraft Ihres Kindes ist immer in Ordnung. Besonders sinnvoll ist es, wenn

Lehrkräfte erleben Ihr Kind im Unterricht von einer anderen Seite und können Ihnen sagen, wie es dort läuft. Manchmal kann die Schule zusätzlich unterstützen, zum Beispiel mit Förderunterricht in einer kleinen Gruppe. Dafür müssen Sie nicht bis zum nächsten Elternsprechtag warten: Eine kurze Nachricht mit der Bitte um ein Gespräch genügt.

Kurze Antworten

Ist Matheangst dasselbe wie schlecht in Mathe sein?

Nein. Kinder jeden Leistungsstands können Angst vor Mathe haben. Die Angst erschwert das Denken, deshalb zeigt ein ängstliches Kind oft weniger, als es eigentlich kann.

Soll ich die Hausaufgaben abbrechen, wenn sie in Tränen enden?

Für diesen Tag ja. Schreiben Sie der Lehrkraft eine kurze Notiz ins Hausaufgabenheft und besprechen Sie dann gemeinsam, wie die Hausaufgaben für Ihr Kind wieder machbar werden.

Ist mein Kind rechenschwach, wenn es Angst vor Mathe hat?

Nicht unbedingt. Angst vor Mathe allein ist noch kein Hinweis auf eine Rechenschwäche. Halten die Schwierigkeiten mit den Grundlagen aber trotz Übung und Förderung an, sprechen Sie mit der Lehrkraft und dem Schulpsychologischen Dienst.

Lässt sich Matheangst überwinden?

Ja. Mit ruhiger Unterstützung, vielen kleinen Erfolgserlebnissen und ermutigenden Worten zu Hause und in der Schule gewinnen die meisten Kinder deutlich an Selbstvertrauen.

Üben mit Indie

Beequation Kids macht aus Rechenaufgaben Wabenrätsel. Kommt Ihr Kind nicht weiter, gibt die Biene Indie einen Tipp. Ohne Werbung und ohne Datenerfassung.

Weiterlesen