Lernen › Themen › Daten und Diagramme
Themen-Ratgeber
Daten und Diagramme
Daten sind Informationen, die wir sammeln, um eine Frage zu beantworten, zum Beispiel: „Welche Eissorte mag unsere Klasse am liebsten?“ Meist sind das Zahlen oder Antworten, die man zählen kann. Strichlisten, Tabellen und Diagramme ordnen die Daten so, dass man die Antwort und manches Muster sofort sieht. In den Bildungsstandards heißt dieser Bereich „Daten und Zufall“, denn dazu gehört auch die Frage, wie wahrscheinlich etwas ist. Er beginnt schon in der 1. Klasse mit der ersten Strichliste.
Was Kinder in welcher Klasse lernen
Jedes Bundesland hat seinen eigenen Lehrplan; gemeinsame Grundlage für die Grundschule sind die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Die Tabelle zeigt, was die meisten Schulen machen. Je nach Bundesland und Schulbuch kann sich das etwas verschieben, in Klasse 5 und 6 auch je nach Schulart.
| Klasse | Was Kinder lernen |
|---|---|
| Vorschule | Noch kein Lernstoff im schulischen Sinn. Doch beim Sortieren (Bausteine nach Farben, Knöpfe nach Größe), Zählen und Vergleichen („mehr“, „weniger“, „gleich viel“) wird schon der Grundstein gelegt. |
| 1. Klasse | Erste Strichlisten und kleine Tabellen: zählen, wie viele Kinder Geschwister haben oder mit dem Rad zur Schule kommen. |
| 2. Klasse | Strichlisten, Tabellen und erste Schaubilder, zum Beispiel ein Bilddiagramm. Dazu der Zufall: Ist etwas sicher, möglich oder unmöglich? |
| 3. Klasse | Säulendiagramme lesen und selbst zeichnen. Fahrpläne und Preislisten lesen. Würfelexperimente und erste Kombinatorik: „Wie viele Möglichkeiten gibt es?“ |
| 4. Klasse | Verschiedene Diagramme lesen, selbst erstellen und kritisch deuten. Gewinnchancen vergleichen: „Das ist wahrscheinlicher als …“. Möglichkeiten mit dem Baumdiagramm geordnet aufschreiben. |
| 5. Klasse | Je nach Bundesland und Schulart: Möglichkeiten mit dem Zählprinzip berechnen statt aufzählen, Baumdiagramme. Diagramme und Tabellen begegnen den Kindern in vielen Sachaufgaben. |
| 6. Klasse | Absolute und relative Häufigkeit, Säulen- und Kreisdiagramme, das arithmetische Mittel (der Durchschnitt). Wo genau das steht, hängt von Bundesland und Schulart ab. |
Die wichtigsten Ideen
1. Am Anfang steht eine Frage
Diagramme sind keine Bilder zum Selbstzweck. Jede Datensammlung beantwortet eine Frage, und die Arbeit folgt einem Kreislauf: Frage stellen, Daten sammeln, ordnen, darstellen und auswerten. Oft ergibt sich daraus gleich die nächste Frage. Wenn Ihr Kind die Frage selbst aussucht, etwa „Welche Farbe haben die meisten Autos, die bei uns vorbeifahren?“, ist es auch beim Zählen und Zeichnen mit mehr Eifer dabei.
2. Strichlisten: immer fünf Striche bündeln
Mit einer Strichliste zählt man mit, während etwas passiert: für jedes Auto, jede Antwort, jeden Wurf ein Strich. Jeder fünfte Strich wird quer über die vier davor gezogen, so entsteht ein Fünferbündel. Zum Ablesen zählt man die Bündel in Fünferschritten und dann die einzelnen Striche dazu, bei drei Bündeln und zwei Strichen also: 5, 10, 15, 16, 17. Dahinter steckt dieselbe „Kraft der Fünf“, die Kinder vom Zwanzigerfeld kennen.
3. Erst die Legende und die Skala lesen
In einem Bilddiagramm steht anfangs jedes Bild für ein Kind oder einen Gegenstand. Später kann ein Bild für mehr stehen: Bedeutet laut Legende ein Smiley 2 Kinder, dann ist ein halber Smiley 1 Kind, und 3 ½ Smileys sind 7 Kinder. Beim Säulendiagramm stehen die Säulen senkrecht, beim Balkendiagramm liegen die Balken waagerecht; abgelesen wird beides an der Skala. Die Skala muss nicht in Einerschritten gehen. Steigt sie in Zehnerschritten und endet eine Säule genau in der Mitte zwischen 10 und 20, steht die Säule für 15. Die erste Frage an jedes Diagramm lautet deshalb: „Wie viel bedeutet ein Bild, wie viel ein Schritt auf der Skala?“
Stellen Sie zu jedem Diagramm drei Arten von Fragen. Ablesen: „Wie viele Kinder mögen Erdbeere?“ Vergleichen: „Wie viele mehr haben Schokolade gewählt als Vanille?“ Nachdenken: „Warum ist Schokolade wohl so beliebt? Käme in der Nachbarklasse dasselbe heraus? Und im Winter?“ Die dritte Art üben Kinder am seltensten, dabei zeigt sich gerade hier, ob sie ein Diagramm wirklich verstanden haben. Die Bildungsstandards verlangen ausdrücklich, Diagramme auch kritisch zu deuten.
4. Tabellen gibt es überall
Ab der 3. Klasse lesen Kinder Tabellen aus dem Alltag. Am Fahrplan: Fährt der Bus um 7:42 Uhr an der Haltestelle Lindenstraße ab und ist um 7:58 Uhr an der Schule, dauert die Fahrt 16 Minuten. An der Preisliste der Eisdiele: Kostet eine Kugel 1,80 € und die Sahne 0,50 €, dann kosten 2 Kugeln mit Sahne 2 · 1,80 € + 0,50 € = 3,60 € + 0,50 € = 4,10 €. Und viele Kinder kennen die Bundesliga-Tabelle besser als jede Schulbuchseite: Für einen Sieg gibt es 3 Punkte, für ein Unentschieden 1, für eine Niederlage 0. Ein Verein mit 5 Siegen, 2 Unentschieden und 1 Niederlage hat 5 · 3 + 2 · 1 = 17 Punkte. Steht bei den Toren 14:9, ist die Tordifferenz +5.
5. Sicher, möglich, unmöglich
Beim Würfeln mit einem normalen Spielwürfel ist es sicher, eine Zahl von 1 bis 6 zu werfen, und unmöglich, eine 7 zu werfen. Eine 6 ist möglich, aber nicht sicher. Danach lernen Kinder, Chancen zu vergleichen: Eine gerade Zahl (2, 4 oder 6) ist wahrscheinlicher als eine 6, denn dafür gibt es 3 günstige Seiten statt nur einer. Bei Würfelexperimenten merken Kinder außerdem, dass der Zufall launisch ist: Wer 60-mal würfelt, bekommt jede Zahl ungefähr 10-mal, aber fast nie alle sechs Zahlen genau 10-mal. Und wenn man bei „Mensch ärgere Dich nicht“ ewig auf die 6 wartet, liegt das nicht daran, dass sie seltener kommt: Man achtet nur besonders auf sie, weil man sie dringend braucht.
6. Wie viele Möglichkeiten gibt es?
In der Grundschule gehen Kinder solche Aufgaben zuerst durch Probieren an und merken bald, dass sie schnell etwas vergessen oder doppelt zählen. Deshalb lernen sie, systematisch vorzugehen: mit einer Tabelle oder mit einem Baumdiagramm, bei dem sich jeder Ast weiter verzweigt. Später erkennen sie das Muster dahinter, das Zählprinzip: Gibt es für die erste Wahl 2 und für die zweite 3 Möglichkeiten, sind es zusammen 2 · 3 = 6. Hier hilft das kleine Einmaleins.
7. Häufigkeit, Kreisdiagramm und Mittelwert (Klasse 6)
Die absolute Häufigkeit sagt, wie oft etwas vorkommt: 6 von 24 Kindern spielen am liebsten Fußball. Die relative Häufigkeit setzt das ins Verhältnis zur Gesamtzahl: ⁶⁄₂₄ = ¼ = 0,25, je nach Bundesland und Schulart in Klasse 6 oder 7 auch als 25 % geschrieben. So lassen sich Gruppen unterschiedlicher Größe vergleichen. Im Kreisdiagramm ist jeder Anteil ein Stück vom Kreis. Der ganze Kreis hat 360°, bei 24 Kindern steht also jedes Kind für 15°. Die Fußballgruppe bekommt 90°, einen rechten Winkel und damit genau ein Viertel. Hier kommen Brüche, Winkel und Prozent zusammen.
Das arithmetische Mittel, im Alltag der Durchschnitt, berechnet man so: alle Werte addieren und durch die Anzahl der Werte teilen. Schießt Emil in vier Spielen 2, 0, 3 und 3 Tore, sind das 2 + 0 + 3 + 3 = 8 Tore, und 8 : 4 = 2. Im Durchschnitt hat er 2 Tore pro Spiel geschossen. Man kann sich das als gerechtes Verteilen vorstellen: Würde man alle Tore gleichmäßig auf die vier Spiele verteilen, hätte jedes Spiel 2.
Typische Fehler
- Skala übersehen: jeden Strich an der Achse als 1 zählen, obwohl die Skala in Zweier- oder Fünferschritten geht.
- Legende übersehen: im Bilddiagramm die Bilder zählen, obwohl jedes für 2 oder 10 steht.
- Strichliste verzählt: ein Fünferbündel als 4 oder 6 lesen oder den fünften Strich senkrecht daneben setzen.
- Ungleichmäßige Skala beim Zeichnen: 0, 5, 10, 20 im gleichen Abstand an die Achse schreiben oder die Säulen nicht bei 0 beginnen lassen.
- „Möglich“ und „wahrscheinlich“ verwechseln: Dreimal hintereinander eine 6 zu würfeln ist möglich, aber sehr unwahrscheinlich.
- Dem Würfel ein Gedächtnis geben: glauben, nach drei Sechsen „müsse“ jetzt eine andere Zahl kommen. Jeder Wurf beginnt von vorn.
- Ungeordnet probieren: bei „Wie viele Möglichkeiten?“ wild aufzählen und dabei Möglichkeiten vergessen oder doppelt zählen.
- Beim Mittelwert durch die falsche Zahl teilen: Bei den Toren 2, 0, 3 und 3 wird durch 4 geteilt, nicht durch 3. Auch ein Spiel ohne Tor zählt mit.
- Kreisdiagramme mit verschiedenen Gesamtzahlen vergleichen: Die Hälfte von 100 Kindern ist mehr als die Hälfte von 20 Kindern, auch wenn die Kreisstücke gleich groß aussehen.
Fünf-Minuten-Spiele für zu Hause
- Autofarben-Strichliste. Unterwegs oder am Fenster die Farben der nächsten 30 Autos mitzählen. Welche Farbe hat gewonnen, und mit wie vielen Autos Vorsprung?
- Familienumfrage. Ihr Kind denkt sich eine Frage aus („Was ist dein Lieblingseis?“), fragt die ganze Familie, auch Oma und Opa am Telefon, und zeichnet ein Bilddiagramm für den Kühlschrank.
- Wetterbeobachtung. Zwei Wochen lang jeden Morgen eintragen: sonnig, bewölkt oder Regen. Am Ende wird aus der Strichliste ein Säulendiagramm. War das Wetter so, wie Ihr Kind es geschätzt hätte?
- Würfelexperiment. 30-mal würfeln und jede Zahl in einer Strichliste festhalten. Kommt jede Zahl gleich oft? Was passiert beim nächsten Durchgang?
- Bundesliga am Montag. Gemeinsam die Tabelle anschauen: Wie viele Punkte fehlen dem Lieblingsverein bis zum Platz davor? Wie kommt die Tordifferenz zustande?
- Anziehen mit System. 3 T-Shirts und 2 Hosen: Wie viele verschiedene Kombinationen gibt es? (6) Ihr Kind kann sie legen, aufzeichnen oder als Baumdiagramm notieren.
Indies KnobelaufgabeIndie zeichnet ein Bilddiagramm. Laut Legende steht ein Honigtopf für 4 Bienen. In der Zeile „Löwenzahn“ sind 3 ganze und ein halber Honigtopf. Wie viele Bienen haben den Löwenzahn besucht? Lösung zeigen
3 ganze Töpfe stehen für 3 · 4 = 12 Bienen. Ein halber Topf ist die Hälfte von 4, also 2 Bienen. Zusammen sind das 12 + 2 = 14 Bienen.
Kostenlose Arbeitsblätter zu Daten und Diagrammen
Zum Ausdrucken für zu Hause oder den Unterricht. Auf der zweiten Seite stehen jeweils die Lösungen.
Ein Säulendiagramm lesen2. Klasse, 3. Klasse · Umfrage: LieblingsobstPDF herunterladenKurze Antworten
Eine Liste zum Mitzählen. Für alles, was man zählt, macht man einen Strich, und jeder fünfte Strich geht quer durch die vier davor. So kann man die Striche später in Fünferschritten zählen.
Beim Säulendiagramm stehen die Säulen senkrecht, beim Balkendiagramm liegen die Balken waagerecht. Abgelesen wird beides an einer Skala, die in Einer-, Zweier-, Fünfer- oder Zehnerschritten gehen kann.
Mit diesen Wörtern beschreiben Kinder in der Grundschule, wie wahrscheinlich etwas ist. Mit einem Spielwürfel eine Zahl von 1 bis 6 zu werfen ist sicher, eine 6 zu werfen ist möglich, eine 7 zu werfen ist unmöglich.
Alle Werte addieren und durch die Anzahl der Werte teilen. Der Durchschnitt von 2, 4 und 9 ist 15 : 3 = 5. In der Schule heißt er arithmetisches Mittel oder Mittelwert.
Ja. „Daten und Zufall“ ist eine der fünf Leitideen der Bildungsstandards (in VERA-Unterlagen manchmal noch „Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ genannt), und das Basismodul von VERA-3 im Frühjahr der 3. Klasse enthält Aufgaben aus allen Bereichen. VERA-3 wird nicht benotet. Mehr dazu im Ratgeber Tests und Noten in der Grundschule.
Üben mit Indie
Beequation Kids macht aus Rechenaufgaben Wabenrätsel. Kommt Ihr Kind nicht weiter, gibt die Biene Indie einen Tipp. Ohne Werbung und ohne Datenerfassung.