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Für Lehrkräfte

Differenzierung im Mathematikunterricht

In einem Bienenstock bauen alle Bienen an denselben Waben, aber nicht jede hat dieselbe Aufgabe. So kann auch eine Mathestunde aussehen: ein gemeinsames Thema, viele Zugänge.

Differenzierung heißt, dass jedes Kind in der Klasse etwas aus der Stunde mitnimmt: Kinder, die sich schwertun, bekommen die Unterstützung, die sie brauchen, und Kinder, die schnell verstehen, werden weiter gefordert. Im Schulalltag geht es dabei fast immer um Binnendifferenzierung, also um Differenzierung innerhalb der eigenen Klasse. Lange hieß das in Mathematik vor allem: drei Arbeitsblätter für drei Leistungsgruppen. Heute gehen viele Lehrkräfte einen anderen Weg: Die ganze Klasse arbeitet am selben Inhalt, und Hilfen und Herausforderungen sind in die Aufgaben selbst eingebaut.

Dieser Ratgeber zeigt, wie das im Unterricht aussieht, mit Ideen, die Sie gleich in der nächsten Stunde ausprobieren können. Die Klassenangaben sind Richtwerte: Je nach Bundesland und Schulbuch kann sich ein Thema etwas verschieben. Passen Sie die Beispiele also gern an Ihren Lehrplan an.

Gemeinsam am selben Inhalt lernen

Die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz beschreiben, was Kinder am Ende der 4. Klasse in der Regel können sollen. Das heißt nicht, dass alle im selben Tempo lernen. Es spricht aber viel dafür, die Klasse an einem gemeinsamen Gegenstand zusammenzuhalten, statt sie in feste Leistungsgruppen mit getrennten Aufgaben aufzuteilen. Wer einen Inhalt schnell durchschaut, geht in die Tiefe; wer noch unsicher ist, bekommt mehr Zeit, Material und Übung.

In der Stunde sieht das oft so aus:

Besonders viel bringt das im gemeinsamen Lernen in inklusiven Klassen, gerade wenn einzelne Kinder zieldifferent unterrichtet werden. Während die einen die Zerlegungen der 100 untersuchen, legen andere die Zerlegungen der 10 mit Wendeplättchen. Am Ende können alle über dieselbe Entdeckung sprechen: Wird die eine Zahl um 1 größer, wird die andere um 1 kleiner.

Natürliche Differenzierung: eine Aufgabe, viele Ebenen

Bei der natürlichen Differenzierung bekommt die ganze Klasse dieselbe offene, ergiebige Aufgabe. Jedes Kind kann anfangen, und trotzdem lässt sich die Aufgabe weit vertiefen. Die Kinder entscheiden selbst, wie tief sie einsteigen und welche Wege und Hilfsmittel sie nutzen; niemand wird vorher einer Leistungsgruppe zugeordnet. Durchdachte Aufgabenformate dieser Art nennt die Mathematikdidaktik substantielle Lernumgebungen. Der Begriff geht auf Erich Ch. Wittmann und das Dortmunder Projekt „mathe 2000“ zurück, aus dem auch verbreitete Unterrichtsmaterialien hervorgegangen sind.

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Drei der sechs Zahlenmauern: Je größer der mittlere Grundstein, desto größer der Deckstein.

Das EIS-Prinzip: handeln, zeichnen, rechnen

Im Mathematikunterricht der Grundschule ist das EIS-Prinzip fest verankert. Kinder erschließen sich einen Inhalt zuerst enaktiv, also handelnd mit Material, dann ikonisch mit Bildern und Skizzen und schließlich symbolisch mit Zahlen und Zeichen. Entscheidend ist der Wechsel zwischen den Ebenen: Wer eine Aufgabe legen, zeichnen und aufschreiben kann und erklärt, wie das zusammenpasst, hat sie verstanden. Bewährtes Material:

Material ist nicht nur etwas für Kinder, die sich schwertun. Bitten Sie ein sicheres Kind, 52 − 27 mit Dienes-Material zu legen. Von 2 Einern lassen sich keine 7 wegnehmen, also wird eine Zehnerstange in 10 Einerwürfel umgetauscht (entbündelt): 12 Einer minus 7 Einer sind 5 Einer, 4 Zehner minus 2 Zehner sind 2 Zehner, zusammen 25. Oft zeigt sich dabei, dass ein Kind die Schritte beherrscht, aber nicht erklären kann, warum sie funktionieren. Ziel bleibt, dass aus dem Legen nach und nach eine Vorstellung im Kopf wird, damit kein Kind beim zählenden Rechnen stehen bleibt.

Indies Tipp

Stellen Sie in jeder Stunde dasselbe Material auf alle Tische und nutzen Sie es selbst, wenn Sie etwas vormachen. Wenn Plättchen und Würfel in Ihrer Klasse selbstverständlich zum Denken dazugehören, greifen auch die Kinder danach, die sie am dringendsten brauchen, ohne sich bloßgestellt zu fühlen.

Hilfen, die wieder wegfallen

Eine Hilfe im Sinne des Scaffolding ist ein vorübergehendes Gerüst: Sie ermöglicht einem Kind etwas, das es allein noch nicht schafft, und wird wieder abgebaut. Bewährte Hilfen sind zum Beispiel:

Legen Sie vorher fest, wann eine Hilfe wegfällt: nach drei Aufgaben, nach einer kurzen Kontrolle oder in der nächsten Stunde. Sonst wird aus der Stütze schleichend eine Krücke.

Sternchen- und Forscheraufgaben

Viele Schulbücher kennzeichnen anspruchsvollere Aufgaben mit einem Sternchen. Solche Sternchenaufgaben und Forscheraufgaben sollen das Thema der Stunde vertiefen, nicht dem Stoff vorgreifen. Allgemeine Impulse auf Karten passen zu fast jeder Stunde:

Ein Beispiel zur Addition zweistelliger Zahlen in Klasse 2: „Lege mit den Ziffernkarten 2, 3, 4 und 5 zwei zweistellige Zahlen und addiere sie. Jede Karte kommt genau einmal vor. Welche Summe ist die größte, welche die kleinste?“ Die größte Summe ist 95 (zum Beispiel 53 + 42), denn die 5 und die 4 gehören an die Zehnerstelle. Die kleinste ist 59 (zum Beispiel 24 + 35), mit der 2 und der 3 als Zehnerziffern. Wer entdeckt, dass alle Anordnungen mit denselben Zehnerziffern dieselbe Summe ergeben, argumentiert schon mit dem Stellenwert und rechnet nicht nur.

Wochenplan und Lerntheke

Offene Unterrichtsformen eignen sich gut zum Differenzieren. Im Wochenplan gibt es Pflichtaufgaben für alle und Wahlaufgaben, darunter Sternchen- und Forscheraufgaben. An der Lerntheke liegen Aufgaben zu einem Thema in mehreren Schwierigkeitsstufen bereit, oft mit Lösungskarten zur Selbstkontrolle.

Offene Formen differenzieren allerdings nur dann gut, wenn die Aufgaben selbst unterschiedliche Zugänge bieten. Sitzt am Ende jedes Kind allein über seinem eigenen Arbeitsblatt, fehlt der Austausch, von dem Mathematik lebt. Planen Sie deshalb regelmäßig Phasen ein, in denen die Kinder ihre Wege vergleichen, etwa in einer Rechenkonferenz.

Rätsel für Kinder, die früher fertig sind

Was Kinder bekommen, die früher fertig sind, sollte sich lohnen und nicht nur mehr vom Gleichen sein. Rätsel eignen sich gut, weil sie Grundaufgaben üben und gleichzeitig zum Nachdenken bringen.

Kurze Antworten

Soll ich die Klasse in Leistungsgruppen einteilen?

Viele Lehrkräfte arbeiten mit gemischten Gruppen und unterstützen flexibel die Kinder, die es in dieser Stunde brauchen. Wenn Sie Gruppen bilden, halten Sie sie beweglich: Ein Kind, das sich mit dem Einmaleins schwertut, kann in Geometrie oder beim Messen ganz vorn sein.

Was sollen Kinder tun, die früher fertig sind?

Tiefer in dasselbe Thema einsteigen: mit einer Sternchen- oder Forscheraufgabe, einem offenen Problem oder einem Rätsel. Weitere Aufgaben derselben Art wirken dagegen schnell wie eine Strafe fürs zügige Arbeiten.

Wie unterstütze ich ein Kind, das weit zurückliegt?

Arbeiten Sie mit Material, lassen Sie das Kind möglichst am selben Inhalt arbeiten wie die anderen und planen Sie kurze Förderzeiten für fehlende Grundaufgaben ein, etwa für Plusaufgaben mit Zehnerübergang. Zählt ein Kind auch nach der 1. Klasse Aufgaben wie 4 + 5 noch an den Fingern ab, lohnt sich ein Gespräch mit der sonderpädagogischen Lehrkraft oder dem Schulpsychologischen Dienst über eine mögliche Rechenschwäche. Die Seiten zu den früheren Klassenstufen helfen, Lücken einzugrenzen; den Unterschied zwischen Angst und Rechenschwäche erklärt der Ratgeber zur Matheangst.

Ist Material für ältere Kinder nicht zu kindlich?

Nein. Stellenwerttafel, Bruchstreifen und Einheitswürfel begleiten Kinder bis weit in die weiterführende Schule. Wenn Sie selbst damit vormachen, sehen auch Kinder in Klasse 5 und 6 darin ein Denkwerkzeug und kein Spielzeug.

Üben mit Indie

Beequation Kids macht aus Rechenaufgaben Wabenrätsel. Kommt Ihr Kind nicht weiter, gibt die Biene Indie einen Tipp. Ohne Werbung und ohne Datenerfassung.

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